Im Wohnzimmer, Victor schlafend. Vorsichtig wird die Schlafzimmertür geöffnet. Darja im fahlen Lichtschein im Nachtgewand. Sie betrachtet Victor einen Augenblick lang, dann wendet sie sich leise in Richtung Flur. Victor schreckt auf und bedroht sie blitzschnell mit der Pistole. Darja bleibt erschrocken stehen.
Spiel und Beleuchtung erscheinen unwirklich, wie ein Traum.
Victor: in einer fremden Sprache Halt, Ratte!
Darja: Darja, ich bin ... .
Victor: Schleichst in der Nacht?
Darja: Verzeihung! Ich weckte
Dich auf, mein Weg
Durch das Zimmer.
Victor setzt sich.
Victor: wütend Geh, dein Leben ist
Nichts wert, wenn du es wieder freundlich
Nicht aushältst!
Darja: Eine Waffe?
Victor: Gewohnheit.
Darja geht vom Wohnzimmer in den Flur. Victor bleibt im Halbdunkel in einem Sessel und versteckt die Pistole unter einem Kissen. Darja kommt zurück. Victor beobachtet sie.
Victor: Schlafe nicht.
Darja: Ich habe Schuld.
Victor: befehlend Setz dich!
Darja, verblüfft über seinen unfreundlichen Ton, setzt sich in einen Sessel.
Victor: Du hast Angst.
Darja: Ich will nicht.
Victor: Wie du sprichst!
Darja: Wie?
Victor: Was du für eine bist.
Darja: Das ist...
Victor: Dein Mann, er
Hat mich beleidigt.
Darja: Er war freundlich.
Victor: Aus der kasachischen Steppe,
Ich! Denken die,
Solche wie er,
Denken das immer.
Darja: Wir nicht.
Victor: Sprich deine Sprache!
Darja: Gute Nacht! Schlafe.
Darja steht auf, will ins Schlafzimmer zurück.
Victor: In deiner Heimat
Schläft niemand, die Lage
Ist schrecklich.
Darja: Vor jedem Brief,
Zittere ich, bei jedem Anruf.
Victor: Es gibt Krankheiten, die ich
In meinem Leben zum ersten Mal sah.
Darja: Alek, mein Bruder.
Victor: In Deckung spielen wir
Karten und Würfel, rauchen,
Keiner spricht von zu Hause, nur
Manchmal, erfährt man, wenn
Schmerzen groß sind, dass eine
Nachricht vom Töten der Feinde
Den Überlebenden erreicht hat.
Darja: So steigert Wut sich,
Getrieben von Verlust.
Schweigen.Victor: Willst du nichts wissen?
Darja: Ich?
Victor: Die Organisation, der du
Noch immer gehörst.
Darja: bestürzt Ich? Trat aus.
Victor: Namen, wer das erlaubte,
Wie heißt er?
Darja: Darja, ich selbst.
Schweigen.
Victor: Du selbst.
Darja: Ich, meine Gründe.
Victor: Wir vergessen, setz dich,
Auch nicht unsere Kämpfer, die
Aus Furcht vor dem Feind ihre Sprache
Und Nationalität in der Fremde verleugnen.
betont freundlich
Wir sprechen alle Sprachen.
Victor drückt Darja in den Sessel.
Darja: spöttisch Du? Was
Willst du von mir?
Victor: Was ich will ist eines, Sie
Etwas anderes, ich will
Dir gefallen, sie nicht.
Darja: Kennst meinen Bruder?
Wie wütend er mich,
Seine Schwester beschützt?
Victor: Er schickte mich nur
Aus Sorge um dich.
Darja: Und vertraute. Dir?
Victor: An der Front
Vertrauen wir gegen den Feind.
Darja: Hast einen Schlafplatz.
Victor: Bin deinetwegen hier.
Schweigen.
Victor: Eine Frau, wichtig im Kampf wie du,
Werden wir immer vermissen.
Darja: Was ich dort machte,
Ehrgeiz hatte ich nicht.
Victor: Oh, Erfolg ohne Ehrgeiz?
Tiefen Eindruck hinterließ
Deine Bescheidenheit.
Man erinnert sich wohl,
An deinen Mut.
Darja: Woher die Befehle kamen, sagte ich
Nicht Auf Wiedersehen! Aber meine Weise
Kennen sie, sonst kennen sie mich nicht.
Victor: Man spricht sehr gut von dir. Sehr.
Darja: Nicht mit Verachtung?
Victor: Vermisst dich.
Darja: Sie haben viele Gesichter.
Schweigen.
Victor: Du hast wieder geheiratet, schön,
Einen Deutschen. Warum?
Darja: Er gefällt mir.
Victor: Die schwache Frau bist du nicht, aber
Arm. Du und der reiche Mann?
Darja: Wie ihr denkt, so denke ich nicht.
Victor: Dein Bruder verkennt dich, er
Erzählte von deinem Stolz.
Darja: Er redet von mir? Vor dir?
Victor: Der vom Feind getötet wurde, dein Mann,
Ist für viele ein Vorbild im Kämpfen,
Besonders für deinen Bruder.
Darja nachdenklich, betroffen.
Darja: Es freut mich, dass der Vater
Meines Kindes nach seinem Tod
In gutem Gedenken verbleibt.
Victor: Bedauerlicherweise nicht bei allen.
Schweigen.
Victor: Unfehlbar ist kein Mensch.
Darja: Er war ein Patriot, so fiel er.
Victor: Auch Patrioten haben Schwächen.
Darja: Nicht er als Patriot.
Victor: Etwa als Mann?
Schweigen.
Darja: Als unser Gast hast du
Rechte. Aber uns beleidigen?
Victor: Die dich lieben, an dich
Denken, sich sorgen, ich
Spreche nicht für mich.
Ob du erholt bist,
Bereust
Deine Flucht?
Darja: Wer?
Victor: Kein Feind.
Darja: Sag den Namen!
Victor: Geheim!
Darja: Mit wem soll ich streiten?
Mit dir? Mein Entschluss,
Dem Krieg und seinen Dienern
Adieu zu sagen, belästigt
Die kriegerischen Köpfe?
Berichte ihnen, dass ich
Ohne euren Krieg sehr wohl
Mich fühle.
Victor: Unser Volk steht enger zusammen denn je.
Schweigen.
Victor: Dein Glück bringt
Uns den Frieden nicht.
Darja: Töten auch nicht. Danke!
Bevor ich wieder schlafe, dir
Ein Militärgeheimnis:
Morgen verlangt mein Sohn
Seine ausgeschlafene Mutter!
Victor: Bleib und hör zu!
Darja: Bringst doch schlechte
Nachricht? Ich ahnte, bin bereit.
Schweigen.
Victor: Dein leichtes Leben macht
Dir ein schlechtes Gewissen.
Darja: Machen dir
Mein Sorgen Freude?
Victor: Deine Familie hat
Probleme, wer
Hätte die nicht
In dieser Zeit
In unserem Land?
Darja: Und?
Victor: Sie leiden.
Darja: Ich schicke Geld,
Gott ist mein Zeuge, alles,
Lebensmittel, Medikamente,
Kleidung, mehr
Kann ich nicht.
Victor: Alles?
Victor nimmt die Flasche Champagner und leert sie in einem Zug.
Victor: Hier lebt es sich, wie
Heißt die Marke?
Nicht schlecht.
Darja: Hier ist kein Mangel, aber
Darüber auch keine Freude.
Victor: Man
Versteht nicht.
Darja: Hermann
Weiß nicht, wie viel
Ich schicke.
Victor: spöttisch Kaufst dich frei.
Darja: Wer schickt dich?
Victor: Alle.
Schweigen.
Victor: Unseres Volkes Siegeswillen gibt
Kämpfer wie dich niemals auf.
Darja: Stirbt dieser Wille,
Überleben mehr.
Victor: Der Preis, die vielen Toten,
Für Unterwerfung?
Darja: Was sie wissen. Sag es sofort!
Victor: Nachricht vom Tod
Deiner Brüder, was,
Wenn Sie eintrifft?
Schweigen.
Darja: Trauer. Wie
Um den Mann.
Victor: Den du so schnell
Sorglos vergisst.
Darja: In seinem Sohn lebt er,
Sehe ihn täglich.
Victor: Für wen opferst du arme?
Für den Sohn, für den Mann?
Feiernd im Reichtum, protzend,
Prunkend, privat!
Darja: Unser Festtag.
Victor: Ihr feiert.
Darja: Ich hungerte schon um Geld,
Allein mit dem Kind. Vorher.
Victor: Im Luxusbett des Westens?
Schaler Champagner! Das
Ansehen deiner Familie, Darja,
Wirst ihnen gefährlich.
Darja: Ich? Du sagst, ich?
Victor: Spendest ein übriges Geld,
Sie lassen ihr Blut.
Darja: Zahlte ich nicht mit seinem?
War ich nicht Witwe?
Schweigen.Victor: War, wie wahr!
Wie kann ich von dir
Berichten, zu Hause,
Ohne zu lügen?
Darja: Wer bedroht meine Lieben, wer?
Victor: Niemand.
Wenn ich dein Leben hier
Verschweige.
Schweigen.Darja: Habe mein Leben hier. Hier!
Langsam werde ich
Nicht mehr fremd sein.
Vorurteile gab es
Einer war davon frei:
Das ist Hermann!
Victor: verächtlich Du eine Deutsche? Schande!
Es fallen so viele.
Darja: Weil ihr sie opfert. Wofür?
Victor: Sprichst wie die Feinde
Ihre Meinungsmaschine,
Verrat!
Schweigen.
Darja: Ich rede frei.
Victor: Kennst du die Ziele
Unseres Kampfes?
Darja: Was du verlangst! Oder sie.
Bloß neue Befehle sind eure Ziele.
Victor: Nicht so. Nehme dich
Und das Kind mit.
Darja, entsetzt.
Victor: Töte ich den Deutschen gleich,
Passieren wir sicher die Grenze,
Und sind zu Haus!
Darja: Ein schlechter Scherz
Aus eurem Schlachthaus?
Victor: Keine Probleme. Kann sein,
Dass ich dich auch begehre.
Darja: Ich kann nicht mehr mich
Mit dir unterhalten.
Darja will aufstehen. Victor hindert sie daran.
Victor: Dass ich mit einer wie dir überhaupt
Noch rede. Warum soll ich ihn einerseits nicht
Töten in einem fremden Land und andererseits
Machst du mir hier vielleicht keine Probleme?
Darja: Grüße? Von meinem Bruder Alek?
Darja schreit. Victor, überrascht, hält ihr den Mund zu.
Victor: Dein Kind schreit, sei ganz ruhig, doch
Die ganze Nacht, wenn du es aufweckst, du
Verstehst nicht, deshalb denkst du schlecht
Von mir. Darja, dein Mann, der Vater deines Kindes
Lebt. Und wenn du schreist, bist du tot.
Victor nimmt Darja auf den Arm, trägt sie wie ein Kind durch den Raum, der im langsam heller werdenden Licht sich von dem dunklen Wohnzimmer in eine Ruinenlandschaft verwandelt. Die Wände fallen wie ein Kartenhaus, die Einrichtung des Wohnzimmers liegt darin verstreut. Schließlich setzt er sie behutsam ab. Darja gewinnt langsam ihre Fassung zurück. Victor betrachtet sie aufmerksam.
Darja: Wer schickt dich? Sag
Nicht mein Mann, der tot ist,
Das glaub ich dir nicht.
Victor: Bergbauern fanden ihn,
Nach einem Vorstoß der Feinde,
Hinter dem Frontverlauf.
Erkannten an seiner Weste einen,
Der schwer war verwundet worden
Für ihr Recht. Nahmen Ihn mit
In die Berge, und mit Hilfe
Eines Arztes, der zu ihnen Geflüchtet,
Pflegten sie ihn viele Monate lang.
Darja: Träume ich von Zeitauflösung?
Victor: Als langsam, sehr langsam
Zurück aus der Nähe des Todes,
Wieder Leben in seine Augen kam,
Erinnerte er sich an nichts. Lebte
Bei den Bauern, die ihre Verstecke
Häufig wechselten, weil die Front
Sich mal in die eine, mal in die andere
Richtung verschob.
Darja: sich an einen grauenvollen Anblick erinnernd
Der Tote, verstümmelt, verbrannt,
Sehe ihn hier, taumelnd vor Trauer,
Ich, meine Sinne, verlierend
Damals, als ich getroffen
Zusammenbrach.
Darja weint lautlos.
Victor: Er sprach nicht.
Dann, eines Tages, Gott hatte
Erbarmen, gab ihm die Stimme
Wieder und seinen Verstand.
Da sagte er eines Tages,
Jetzt höre! Er sagte nur: Darja!
Darja: Es ist vom Totenreich ein Traum, du bist
Geschickt von dort als Bote. Er starb.
Victor: Er verlangt nach
Seiner Frau und seinem Sohn.
Darja: Seinem Sohn? Meinen Sohn?
Schweigen.
Victor: Unser Land ist stolz auf dieses Wunder.
Es beweist, dass hohe Mächte sich
Auf unsere Seite neigen.
Darja: Ihr Dämonen tanzt im Feuer,
Lasst mir meinen Sohn!
Victor: Dein Hermann ahnt nicht,
Dass du ihn von Anfang an betrügst.
Da möcht ich lachen!
Darja: Die Toten marschieren,
Marschieren mit im Heer der Täter,
Sie brüllen Rache!
Schweigen.Darja: Nie habe ich dich verlassen! Hier,
In meinem Herzen bist du, hier ist dein Grab.
Victor: Freust du dich nicht?
Darja: Wird er die Grabkammer öffnen,
Zerreißt er mein Herz.
Schweigen.
Victor: Darja, wach auf, dein Mann,
Der Vater deines Kindes, lebt!
Schweigen.Darja: schreit Wie ich euch hasse!
Victor schlägt ihr ins Gesicht.
Victor: Unsere Feinde hassen uns!
Schweigen.
Darja: Gibt es einen
Weg, lebendig Tote,
Lebendig tot zu halten?
Victor: Lebendig hält sie
Unsere glorreiche Nation.
Darja: Sie sollen ruhen!
Victor: Ewiges Leben unseren Helden!
Schweigen.
Darja: Was gründet, außer Hass
Von Opfern, die Nation?
Victor: Wir sind zusammen
Unbesiegbar.
Darja: Parolen! Als Zusammenhalt?
Victor: Dein Mann beweist uns
Die schicksalhafte Wahrheit.
Darja: Männer, Frauen, Kinder,
Zielscheiben für Geschütze,
Richtpunkte Kirchturmspitzen.
Ist das euer Gemeinsinn?
Victor: Diese Wahrheit darfst
Du nicht verraten.
Schweigen.
Darja: Nicht meinen Sohn!
Victor: Dem Vater den Sohn!
Schweigen.
Victor: Bringe ich dir etwa
Nachricht vom Sterben?
Darf es noch schöner sein?
Darja: Ihr habt einen Pakt,
Das habe ich im Krieg gelernt,
Mit euren Toten. Welche Absicht
Verfolgt ihr mit mir?
Victor: Ihm wünschen wir Glück, dem
Frontsoldaten! Nun zurück zur Familie.
Darja: Ich war wie er: leider
Für den Krieg!
Schweigen.
Victor: Ein Beispiel ist er uns allen,
Überlebenswillen unserer Nation.
Darja: Helden braucht ihr,
Weil ihr feige seid!
Victor: Er wurde mutig an der Front.
Darja: Rannte blind begeistert
Für euch Blender in den Tod.
Victor: Und siegte, da er lebt.
Darja: Ich, seine Frau,
Verlor.
Schweigen.
Victor: Wie Könige werdet ihr leben,
Für Staatshelden ist gesorgt.
Darja: Ich lebe, und ihr
Lebt nur in Illusionen.
Victor: Verrat! Sie will sich nicht
Belohnen.
Darja: Eure Gesetze, die Zwangs-
Jacken, passen mir nicht.
Victor: Wie einer dummen Fliege:
Die Todesstrafe dir!
Schweigen.
Darja: Geheime Polizei, gegründet,
Lange vor dem Krieg. Gib zu,
Ihr habt ihn vorbereitet, um alte
Rechnungen zu begleichen.
Verräter nennt ihr eure Opfer,
Die eure Willkür tötet.
Du bist, ich weiß, ihr Werkzeug.
Victor: beschwörend Darja! Für dich
Kämpfte er, für eure Zukunft als
Familie: Kind, Liebe, Vaterland.
Darja: kalt Wie ein Idiot!
Victor: Sein Lebenswille,
Wie der unseres Volkes,
Ist immer nur auf euch gerichtet:
Die Familie. Du musst zurück.
Darja: Sein Gesicht, sein Lachen,
Kommt nie mehr zurück
Von eurer Front.
Victor: Wenn der Soldat
Gelernt hat zu vergessen, lächelt er
Gleich nach dem Gefecht.
Darja: Das lachende, das ich liebte,
Verschwand. Ich wurde krank.
Victor: Die Schönheit deiner Heimat bleibt nicht,
Wenn wir verlieren. Die Musik, die Tänze,
Die Berge, deren felsiges Gestein weiß
Leuchtet in der Sonne. Die Gesichter.
Erinnere dich! Es gibt kein schöneres Land,
Nichts schöneres, dafür zu kämpfen.
Schweigen.
Darja: Angst, Misstrauen, Lärm
Von Schüssen, der an den Bergen
Widerhallt, verstörte Menschen,
Zerstörtes Land. Meine Liebe, zerstört.
Victor: Alle wünschen deine Rückkehr.
Lieben dich. Ich will den Deutschen lassen,
Wenn du mitkommst. Bevor er erwacht,
liegt hinter uns die Grenze.
drohend Zögerst du,
Bleibt eure Trennung für ewig.
Darja: Hermann.
Victor: Oder willst du, dass vor Gericht,
Der Heimkehrer muss seine Liebsten zerren?
Heiratsschwindlerin, schreibt dann die Presse!
Begreife, dein Leben hier ist aus.
Darja: Meine zweite Heimat Deutschland,
Mir auch noch zerstört?
Victor: Ein Traum, auch wenn er schön war,
Lässt sich vergessen.
Darja: Wach auf, Darja, nicht!
Victor: Kätzchen, kein Traum.
Darja: stockend Alle, sagst du,
Wollen meine Rückkehr, was
Sagt dazu meine Mutter?
Victor: Sie sehnt sich, will,
Dass zurück du kehrst mit mir.
Darja: Lügner! Sie sagte: Geh!
Denn mich, ihr Kind, wollte sie
Schützen. Wie meines ich.
Victor: Sie denkt nun anders.
Denn eure Ehe achtet sie.
Er erwartet eure Ankunft.
Schweigen.Darja: Ich fiel, hörte nicht auf zu fallen,
Verfluchter Krieg! Ich sah, was bleibt.
Auf welche Familie wartet jetzt
Trauer, Kinder vaterlos in Armut?
Victor: Was kümmert es dich: er lebt.
Darja: Hermann wurde zum Vater
meines Kindes aus Liebe zu mir.
Ihn liebe ich, ihm schulde ich Achtung.
Victor: Ungeschieden, gilt die zweite Ehe nicht.
Darja: Kalter, junger Mensch,
Kennst du kein Mitleid?
Victor: Ihr lebt im reichen Land und fickt
Die Armen. War einmal zur Arbeitssuche hier.
Ihre Demütigungen, die Vergangenheit,
Bleiben mir immer lebendig.
Darja: Du machtest ihn betrunken, er
Zeigte sich offen und gastfreundlich.
Du aber spieltest, bist falsch.
Victor: Ich nehme ihm seine Frau.
Darja: Du? Du willst verfügen über mich?
Victor: Mein Auftrag lautet, dich
Zurückzubringen, dein Mann und alle
Befehlen dir deine Rückkehr, ihn zu pflegen.
Darja: Wo ist der Brief,
In welchem er selbst
Mich darum bittet?
Victor: Muss der Kranke seine Frau
Mit einem Brief um Hilfe anflehen?
Darja: Befehlen darf er nicht.
Victor: Nie habe ich herzlichere Grüße
Übermittelt, als seine an dich.
Darja schaut mit leerem Blick in die Ferne.Victor: Kätzchen, wie furchtbar, vergisst
Dich zu freuen, über die wundersame, fast
Göttliche Rettung. Nicht dass ich zweifele
An dir, ich nicht, ich, dein Freund,
Will deine Lage nicht
Im Geringsten verkennen.
Er nähert sich ihr. Sie stößt ihn heftig weg.
Darja: Diesen ehrlichen Mann soll
Ich zerstören? Brutal, wie eine Hure,
Vertrauen missbrauchend?
Victor: Sprichst du etwa von Hermann?
Sei aufrichtig zu dir, Darja!
Ich kann dir helfen, zurück
Zu finden zu ihm, dem einzigen,
Den du wirklich liebst.
Darja: Den begrub ich. Erde
Bedeckt seinen Sarg. Wer
Immer dort liegt, nahm
In die Erde, auch meine Lust mit.
Erst in der Fremde, hier,
Befreite ich mich,
Aus der Umklammerung
Eines liebenden Toten. Leben will ich.
Victor: So, wie du dein Kind liebst,
Liebst du ihn.
Schweigen.
Victor: Eine Deutsche
Bist du noch nicht.
Darja: Ich verlange nur
Zeit.
Victor: Er stirbt. Vielleicht.
Darja: Ich soll verzweifeln. Ich muss
Ihm helfen und darf es doch nicht.
Victor: Lass dein Verhältnis platzen!
Darja: Dein Auftrag!
Es geht dir nur darum.
Victor: Je verlogener ich,
Desto besser für euch.
Darja: Er ist tot.
Victor: Dann wird eben Gott dich
Zu ihm begleiten. Nun, bete!
Er will sie dazu zwingen.
Victor: Bete! Religion befördert die Nation,
Den Glauben an den einen Geist,
Der in der Stunde der Not uns Kraft
Und Macht zum Überleben gibt,
Ich sage dir noch einmal: bete!
Darja: Ich bete, aber ich glaube
Nicht an die Nation.Victor: Denk an ihn, dann glaubst du!
Darja: Ich glaube an mein eigenständiges Denken, frei
Von Ideologien gleich welcher Herkunft.
An eine Moral ohne doppelten Boden,
Aber an euch glaube ich nicht.
Victor: Bete, besser, du Tier!
Ich bin sein Werkzeug.
Darja: Die männlichen Helden des Schlachtens
regieren nur die, die sie verehren.
Victor: Gotteslästerung und Verrat.
Darja: So trennt uns Krieg.
Schweigen.
Victor: Der Held sucht, und deshalb schweigt er,
Neue Kraft zum Kämpfen bei seiner Frau.
Gibst du ihm den Rückhalt nicht,
Hast Du ihn in den Tod getrieben.
Darja: Ich weiß. Zurück zum Wunden pflegen
Und dann zum Morden wieder raus!
Schweigen.
Victor: Aus Treue kehrte er
Von den Toten zu dir zurück.
Zeigst dich nicht würdig,
Dich seine Frau zu nennen.
Darja: Für eure Mordmaschine
Manipuliert ihr die Familien.
Victor: Entführst das Kind seinem
Leiblichen Vater! Bete, denn
Was dich erwartet, kennst du.
Schweigen.
Darja: Ich erlaube keiner Macht
Zu verfügen über mich.
Victor: Ersetzt du Stolz durch Geschwafel
Von Freiheit? Ha, freie Frauen sind
Nuttengleich Freiwild!
Darja: Nicht in einem freien Land.
Victor: Du wirst als Frau an deinem Platz
Erfüllung finden. Wo, sagen wir dir.
Darja: Ihr habt längst eine Front eröffnet
Gegen Frauen, Kinder und Schwache.
Was bleibt uns, außer Zorn über eure
Vergewaltigungen, womit ihr
Eure Feinde zum gleichen
Verbrechen
Treibt?
Victor: Denkst du, dein treuer Mann
Nähme sich eine fremde Frau?
Darja: Ihr findet freiwillige Männer.
Victor: Lügen, sind das, Propaganda!
Darja schaut ihn herausfordernd an.Victor: Wenn ich eine Frau, ihren schönen
Körper anschaue, bin ich noch lange nicht
Durch sie verführt. Denn eine Frau muss
Eine Ehre haben, sonst reizt sie mich nicht.
Frauen ohne Ehre sind schwach, sie öffnen
Nicht nur ihr Gehirn feindlicher Propaganda.
Sie sind auch gern willig dem Feind.
Darja: Um sie ungestraft benutzen zu können,
Demütigt ihr die Frauen und befriedigt,
Im Namen der Nation und des Glaubens,
Euren Trieb. Dann tötet ihr sie,
Um euer Elend vor euch selbst
zu verbergen. Denn ihr seid erniedrigt, ihr!
Victor: Was aus dir wurde, wer bist du?
Darja, wärst du im Kampf gefallen,
Es schmerzte ihn nicht so.
Schweigen.Darja: Ich glaubte, er sei
Unverwundbar, Odysseus gleich,
Dem Krieger und Leinwandhelden,
In den Mädchen sich verlieben.
Victor: In dir blieb nichts von dir zurück.
Darja: Was wirklich Krieg dann ist,
Sie fielen alle, die stark und sicher schienen.
Victor: Du erschreckst mich, wie
Solche Verwandlung wahr sein kann.
Darja: Kein Naturereignis eben, kein Gewitter-
Oder Wüstensturm, sondern ein Strudel in
Geschwindigkeit, ein Wirbeln, Mahlen, Brechen, ein
Splittern von Knochen, Schädeln, Köpfen, ein Alptraum.
Victor: Du redest wie dein Lehrer der Geschichte.
Darja: Wer daraus aufwacht, kann der sich
An seine Schuld erinnern?
Darja spricht stockend.Darja: Ich sah, was bleibt.
Schweigen.
Darja: Ein Wesen, das jäh aus dem Schlaf reißt.
Ich träumte nachts den Toten neben mir.
Und sollte ihn küssen.
Victor: Jetzt kannst du schlafen, er lebt.
Darja: Nur sein Geist.
Schweigen.Victor: Sterben im Krieg geht meistens schnell.
Viel leichter als im Frieden und dient
Der Allgemeinheit, wo es sonst so
Sinnlos ist. Wovor hast du Angst?
Darja: Vor einem Heer von Krüppeln
Voller Hass, vor einem davon, der
Verlangt, dass ich ihn liebe.
Victor: Ein Held ist nie ein Krüppel,
Auch wenn ihm beide Beine fehlen.
Darja: Hörst du die Kinder reden?
Schweigen.
Darja: Warum ist er nicht hier?
Victor: Dein Glück!
Darja: Ich kann ihm nur mit Wahrheit helfen.
Victor: Ich sah ihn.
Darja: Die Wahrheit?
Victor: zögernd Ein Soldat, in jeder Lage tapfer.
Hörte, dass er nicht nur Soldat war.
Darja: Verdienste, er gibt nichts auf
Rang und Namen.
Victor: Das meine ich.
Darja: Und die Verletzung?
Victor: Wir sprachen über
Den Frontverlauf.
Schweigen.Victor: Bin ich sein Arzt?
Darja: Hat die Verwundung ihn entstellt?
Victor: Narben, wer hat die nicht?
Darja: Sag ihm, das Kind sei krank,
Ich komme später.
Victor: Ich lüge nicht.
Schweigen.Darja: Aber Victor heißt du, ja?
Wenn mein Sohn bei seinem Vater
Im Krieg umkommt?
Victor: Wenn Gott ihn nimmt, darf er
Dem Mächtigen nicht fluchen.
Darja: Im Flüchtlingslager wurden wir
Bedroht, denn beide Seiten flüchten
Und halten ihre Fehde aufrecht.
Jetzt bedrohen Landsleute uns in der Fremde.
Ein Leben ohne diese Angst hatte ich
Durch Hermann. Auch er wird angefeindet,
Meinetwegen. Doch er ignoriert es.
Aus Mut wächst unsere Liebe.
Zwei Hälften einer Welt, die noch vieles trennt.
Bald wird sie friedlich sein. Und wir?
Schweigen.
Victor: Deine kleine, heile Welt riecht
Wie gelbe, warme Pisse.
Darja: Dass man sich begnügen kann,
Hältst du nicht aus.
Victor: Mitleid fühle ich
Für deinen Mann. Den richtigen.
Darja: Warum kämpfst du nicht, Latrinenspitzel?
Victor: Vergeude Zeit mit dir. Mein Gebiet:
Ausland. Betreuung von Dissidenten,
Deserteuren, Exilanten.
Darja: Wäre dein Vater stolz auf dich?
Wie hat er dich erzogen?
Victor: Verachten, Frauen wie dich.
Darja: Nicht dich würde er schicken.
Victor verbeugt sich gekünstelt vor ihr.Victor: lauernd Gut, ich lass dich hier,
Um ihn vor dir zu schützen. Her mit dem Kind!
Darja: Mein Sohn gehört sich selbst.
Victor: sich in Wut redend Wie viele verschwanden im
So genannten Frieden? Bis man ihre Leichen,
Hast du den Anblick schon vergessen,
Mit Spuren der Folter fand? Erinnere,
wie sie uns behandelten, als
Sie sich sicher überlegen fühlten!
Darja: Mitleid gab es vielleicht
Sogar auf beiden Seiten, aber
Es zu artikulieren, gilt als Verrat.
Wer erzählte dir von mir?
Victor: Du warst beteiligt.
Wer weiß das nicht?
Darja: Die Vernünftigen ...
Victor: Die Besten kamen heimlich zusammen,
Um zu beraten. Du kennst ihre Namen.
Darja: An Namen kann ich mich immer
Eigentlich gar nicht erinnern.
Victor: Wenn du mit deinem Kind
Durch die schöne, kalte,
Deutsche Stadt gehst, was
Fühlst du dabei?
Darja: Nichts. Namen haben im Krieg oft
Tödliche Wirkung. Vielleicht erinnere ich,
Wie eine Zensur, sie daher nicht.
Victor: Niemand grüßt dich, keiner
Kennt dein Kind. Und deinen Namen?
Schweigen.Victor: Der Deutsche kann diesen Mangel,
Angenommen, er sei liebenswert,
Mit seiner fürsorglichsten Liebe nicht
Ersetzen. Seine Liebe für dich
Wird verschwinden. Dann bist du allein.
Darja: Habe mein Kind.
Victor: Dein Kind, nur deines?
Das vor Gericht? Welch ein Anblick!
Zwei, früher ein glückliches Paar,
Zerreißen zwischen sich den Sohn.
Darja: nervös Hör auf!
Victor: Du liebst Hermann, den
Liebenswerten Deutschen, nicht.
Du belügst ihn.
Darja: heftig Dir geht es um dich,
Wirst du befördert? Danke, die letzten
Missionen erfolgreich erledigt,
Orden und Luxus dafür!
Victor: Aber Namen erinnerst du nicht?
Darja: Es kommt eine Zeit, dann
Nenne ich sie. Vor Gericht!
Schweigen.
Darja: Lasst ihr mich und das Kind,
Werde ich schweigen. Mein Wort!
Victor: Zeugen sagen, du warst
Am Töten beteiligt. Mein
Auftrag wechselte nur
Den Deckel der Akte. Als
Spezialgebiet heute, nehme ich
Dich. Du willst verraten,
angenommen, Namen, Strukturen. Sag,
Welche Strafe droht dir?
Darja: Ihr gleicht dem Feind.
Victor: Du weißt zu viel.
Darja: Was viele wissen. Mehr nicht.
Victor: Geheimes.
Darja: Ihr Verhör? Durch dich?
Victor: Erkennst du jetzt die Gefahr?
Nein? Ich könnte ja ein
Dich verhörender Feind sein.
Du ein Risiko für unsere
Not leidenden Menschen.
Darja: Fragt den kranken Kriegergatten,
Er weiß, was ich weiß.
Victor: hastig Sein Gedächtnis, durch die Verwundung
Hat es gelitten, er ist, er ... braucht dich.
Darja: schnell Der Getötete, Verstümmelte,
Verbrannte, Überlebende,
Auferstandene, Verlangende,
Sterbende Vater, wie ist er?
Victor: Sei dankbar!
Darja: Tragt ihr ihn auf einer Bahre,
Residiert er in einer Ambulanz?
Dann bringt den Märtyrer her!
Oder lallt er, sabbert er, quillt Eiter
Aus entzündeten Wunden, hat er
Noch Augen? Ich ahne zwei leere
Höhlen, wie offene Gräber.
Victor: Sei menschlich!
Darja: Ich halte in Ehren ein Bild,
Eine langsam vergilbende Fotografie.
Den Klang seiner dunklen Stimme,
Sein Lächeln, das, als er
Den neugeborenen Sohn sah,
Erschien in dem nun harten Gesicht.
Victor: Er ist derselbe, der dich
Zum Heiraten reizte. Du selbst
Hast ihn dir so gewählt. Genau diesen
Mann, der immer noch kämpft.
Darja: Wie er um mich warb, damals heiter.
Durch Liebe lernen wir Frauen die Welt.
Victor: Steh zu deiner Wahl, steh zum Kampf!
Victor beobachtet Darja aufmerksam.
Darja: Nachschubreserve.
Victor: Wie ich am Anfang! Du hast
Das Gleiche gemacht, du, eine Frau?
Darja: Dort gab es keine Männer.
Victor: Inzwischen kämpft auch die Reserve,
Jeder kämpft an der Front.
Schweigen.
Victor: Während mein Vater schlief,
Durchschnitten sie ihm die Kehle. Namen.
Morgens erwachte in seinem Blut
Meine Mutter. Sie schrie, ich lief
In ihr Zimmer. Es war Sommer. Das Fenster
Stand offen. Ich schrie, sah mich entfernt
Am Horizont sterben. Ein Kind. Ein Ziel
Wurde mein Leben. Mutter weinte, als ich,
Wie seine Mörder listig und stark, wollte
Werden. Hinaus und Vergelten!
Schweigen.
Darja: Ich packte Kisten mit Waffen
Und Munition aus. Kriegsgerät
Schraubten wir zusammen. Ich sah
Auf technischen Plänen Namen, woher
die Lieferungen kamen, mit welchen
Nationen sie im Geschäft, die von Feinden
Nur Reden. Das erzählte ich meinem Mann.
Wir müssen siegen, egal,
Sagte er. Wir sind verraten,
Flüsterte ich.
Er schaute wütend,
Wütend auf mich.
Victor: Im Krieg kann einer viel
Gewinnen, und verliert es
Im nächsten Augenblick.
Darja: Der Krieg ist gegen jedes Volk,
Und ein Geschäft. Nur einzelne gewinnen.
Victor: Wenn du Beweise hast, und Namen ...
Darja: Beweise nützen dem, der Macht hat.
Mir glaubte nicht einmal der eigene Mann.
Victor, nachdenkend.
Victor: Ich will zu einer Sache deine Meinung hören.
Darja: Auf einmal vertraulich?
Victor: Die Art und Weise, wie mein Vater starb,
Zeigt eine mir bekannte Handschrift. Es fiel mir auf.
Darja: bitter Sie töten auch die eigenen Leute,
Um Menschen aufzuwiegeln,
Willig zu machen für den Krieg.
Victor: Ich räche meinen Vater.
Darja: Die einen rächen, andere
Führen Befehle aus.
Victor: Du redest wie eine aus der Stadt.
Darja: Wie eine, die ihn erlebt hat.
Victor: Verräter werden hingerichtet.
So reinigt sich der Clan. Ich hoffe,
Mein Vater war nicht schuldig.
Darja: Wo Namen Tod bedeuten,
Ist jeder schuldig, der sie ausspricht.
Victor: Dann war er schuldig.
Schweigen.
Victor: Zuerst räche ich meinen Vater, dann
Treibe ich Handel, wie er.
Darja: Die Liste der Gefallenen wird
Öffentlich verlesen, mit neuem Hass
An die Front, lasst mich in Ruhe! Ein Junge
Bist du, kaum ein Mann.
Sie wendet sich ab.Victor: Was wir sind, verschwindet, alles
Was uns ausmacht, kämpfen wir nicht.
Dann sind wir wer? Unter dem Einfluss
Der Deutschen? Schweinefleisch!
Fühlst du in deinem Herzen den Verrat?
Darja: Verrat! Das Kind war keine Woche alt,
Da ging er wieder an die Front. Ich bat ihn,
Nicht den gefährlichsten Platz in den Reihen
Der Kämpfer zu suchen. Er lehnte ab.
Ehre? Kameradschaft? Ich fühlte Verrat.
Victor: Dein Mann wird in der Heimat
Von vielen Frauen verehrt.
Darja: Von Witwen?
Victor: Dein Mut versinkt in diesem
Kind. Bringst es wie Geld
Aufs sichere Konto im Ausland.
Darja: Die Vorstadt brannte, ohne Werkzeug
Bauten wir auf. Im Zelt erkrankte mein Sohn.
Jawohl, mein Kind, bekam so hohes Fieber,
Dass es den Krieg vom Himmel sah. Damals
Betete ich zu Gott, dem Vater, und schwor:
Überlebt er, dann gehe ich nach Deutschland.
Und hoffe auf Asyl.
Schweigen.Darja: Als sein Fieber von über vierzig sank,
Sagte ich: Lebt Wohl! Keine der Frauen dort
Nannte mich Verräterin, keine! Sie hatten
Tränen in den Augen, denn sie wussten,
Dass der Abschied für immer war.
Victor: Die Stadt wird weiter schwer getroffen.
Man spricht offen von Verrat. Deine Familie
Konnte sich retten. Andere traf es verheerend.
Darja: Gibt es Verdacht?
Victor: Man sprach ihn aus.
Darja: Wer verliert, sucht Schuldige.
Victor: Wir untersuchen, und finden
Bestätigt unseren Verdacht.
Darja: Wen beschuldigt ihr?
Victor: Nur wenige wissen, wie um die Stadt
Der Verteidigungsring organisiert ist.
Darja: Verhaftet habt ihr die?
Victor: Es dauert die Untersuchung.
Darja: Seid gerecht und genau.
Victor: Wer sich der Ermittlung entzieht,
Macht sich verdächtig.
Darja: Aus dieser Richtung erfolgt
Der Angriff auf Mutter und Kind?
Victor: Auch du bist verdächtig,
Wenn du dich nicht stellst.
Darja: Mit einem Generalverdacht,
Belegt ihr die Friedlichen.
Victor: Deine Hochzeit hast du verschwiegen.
Darja: Für den Ruf der Familie.
Victor: Die bei dem Angriff entkam.
Darja: Vielleicht gibt es Gott.
Victor: Jetzt fürchten wir um sie, wenn du
Nicht für dich eintrittst.
Darja: Ich verteidige mich.
Victor: So beschrieb dich dein Mann.
Darja: Er kann also sprechen.
Victor umkreist sie langsam.
Victor: Durchaus, die Ärzte empfehlen,
Einzureden auf ihn.
Darja: In welchem Hospital?
Victor: Ein Lazarett, nahe dem Frontverlauf.
Darja: Wie finde ich ihn?
Victor: Durch mich.
Schweigen.Darja: Seine Stimme am Telefon hilft mir
Bei meiner Entscheidung.
Victor: Ob er noch wert, dein Mann zu sein?
Darja: Zwei Männer verlangen von mir,
Dass ich sie liebe.
Victor: Du siehst die Hilfe nicht,
Die ich dir biete.
Darja: Vielleicht bist du nicht so schlecht,
Wie dein Ansinnen mir scheint.
Victor: Ich nehme das Kind mit.Darja greift sich die Schnapsflasche als Waffe.
Victor: amüsiert Angst habe ich um die Flasche.
Darja: Töten kann vielleicht doch jeder.
Victor: ihre Drohung ignorierendIch gebe dir nur einen Augenblick,
Den Gedanken zu verwerfen. Denk nach,
Willst du dein Kind begleiten?
schreit
Ich warte!
Darja: Wenn wir sterben sollen,
dann hier!
Victor holt die Pistole hervor.Victor: Habe mit ihr geredet, auch mit Zeit.
Wer will behaupten, dass es nützt? Selten
helfen Argumente. Nur eines verhilft sicher zum
Durchbruch dem Gesetz. Gott ist mein Zeuge,
Dass ich sie nicht ohne Ausweg ließ.
Darja schlägt blitzschnell zu. Victor weicht dem Schlag aus, entwindet ihr die Flasche und verdreht ihr den Arm.Victor: So sanft war ich schon lange nicht mehr
Wie zu dir. Oft besänftigt es das Schicksal,
Wenn eine Frau sehr schön ist. Ein Mann
Und eine Frau, was sollen die sich tun?
Darja: Gib auf!
Victor: Ein magerer Satz, gebrochen gesprochen: Gib auf!
Darja: Wenn Krieg ist, ist er überall, auch hier.
Victor: amüsiert Warum dann bleiben?
Darja: Brichst mir den Arm, mich
Brichst du nicht. Junge, wach
Aus deinem Wahn auf!
Victor: hält ihr die Pistole an den Kopf
Ich bin Soldat. Junge sagst du
Nie mehr zu mir.
Darja: Jüngelchen!
Er stößt sie brutal zu Boden, bedroht sie mit der Pistole.Victor: Sag eine Zahl!
Verdreht ihr stärker den Arm.Victor: Sag eine Zahl!
Schweigen.Victor: Wie viele? - Kerben.
Aus dem Hintergrund Schreien des Kindes.
Darja: Zwei?
Victor: lässt locker, lachtScharfschützen ritzen für jeden Treffer
Eine Kerbe in den Gewehrlauf. Ich sah
Keine freie Stelle. Und ich habe
Gute Sehkraft. Sniper wurde ich.
Also, wie viele?
Darja: Will es nicht wissen.
Victor: greift sie festerDreiundsiebzig. Eine Zahl,
Dreiundsiebzig. Gesichter
Erinnere ich gut.
Darja: Wie warst du als Kind?
Schweigen.
Victor: Wie viele verloren
Ihr Leben durch dich?
Sie beginnt zu weinen.
Darja: Zeigst spät dein Gesicht.
Victor: Eine kluge Frau weiß,
Was sie will, und was nicht.
Du weißt es am besten.
Oder liebst du etwa
Dein Kind nicht?
Schweigen.
Victor: Hast in Deutschland ein Mundwerk
Wie eine Nutte bekommen. So offen
Wie hier Frauen sich zeigen. War es Mord,
Oder Notwehr?
Schweigen.
Victor: Hast dich losgesagt, frei! Die Ehe
Schützt dich nicht mehr, keine,
Deine zweite gilt nicht. Fühlst du die Freiheit?
Schweigen.Victor: Die im Ausland ein schönes Leben haben, bis
der Krieg vorbei und die Freiheit erkämpft ist. Dann
kommen sie, reich und fett zurück, um ihren Nutzen.
Kauft billig Land und Häuser der Gefallenen! Doch ich führe
Listen. Bestimme die Namen für einen gerechten Lauf.
Darja: Jemand wird auch mich
An dir rächen.
Victor stößt einen Fluch in seiner Landessprache aus.
Victor: Du drohst mir?
Schweigen.Victor: Vertrau nicht auf die Milde deines Mannes.
Er ist verändert.
lacht böse Sehr verändert. Wir sind
Andere Menschen geworden.
Darja: Nachrichten hier zeigen nur die Sicht
Dieser Gesellschaft auf den Konflikt. Wem was geschieht,
Und warum, wer Held und wer Verbrecher, wer weiß es?
Gehörst du zu den Guten?
Victor: Wenn der Sieg erreicht ist, wird man
Auch meinen Namen nennen.
Darja: Wer allein so viele tötet, muss ein Held sein.
Victor: höhnisch Willst du mir schmeicheln?
Darja: Ich will wissen, wer bist du wirklich?
Victor: Den ersten Feind tötete ich
Mit dem Messer. Schnitt
In seine Kehle, wie sie
Bei meinem Vater.
Er sah mich fast
Erstaunt an, hatte mich
Nicht gesehen, dann
Entsetzt. Sein Blut war
Ein schöner Anblick.
Einfach ist es zu töten.
Darja: Und machst so weiter?
Victor: Mein Vater lebt
In meinen Taten. Sein
Stolz bin ich.
Darja: Er hat dich sicher sehr geliebt,
So wie du früher warst.
Victor: In meiner Schule beschwerte sich einmal
Ein Lehrer, denn ich schrieb mit links. Ihm
Sagte mein Vater: mein Sohn schreibt links!
Und das sagte er in einem Ton,
Dass ein Lehrer nicht widerspricht.
Jetzt spreche ich für meinen Vater.
Schweigen.
Darja: Hast du den Mut, sogar
Freunde zu töten?
Victor: Feinde erkenne ich immer,
Nur sie töte ich. Schade,
Wie leicht du dich aufgibst.
Kämpf um dein Leben!
Darja: Folterst du deine Opfer?
Victor: Ich prüfe sie. Wie ein Staat.
Darja: Um ihre Unschuld zu beweisen?
Victor schweigt.
Darja: Wie träumst du nachts,
Zum Beispiel von Frauen, die
Du ermordest?Victor: schreit Nicht, ich träume nicht!
Darja: Flehen sie immer noch, ihre Gesichter?
Ihre Augen? Erinnere dich! Ihr Bitten um Gnade.
Ihr Schluchzen, oder lautlos vor Angst?
Victor hält die Pistole vor ihr Gesicht.
Victor: Willst es wissen? Ja?
Dann auf die Knie!
Darja weicht vor ihm zurück.
Darja: Dich verachtet dein Vater.
Victor: Auf die Knie!
Darja: Prahlst du damit
Vor deiner Mutter?
Victor: Auf die Knie!
Victor drückt sie mit dem Lauf der Pistole brutal hinunter.
Victor: Was du von mir denkst,
Darüber lach` ich.
Darja: Glaubst du, es hört auf? Eines Tages
Vergisst du? Und kannst schlafen? Mal sehr,
Mal nicht, sich rächend im Schlaf, erscheinen
Die Toten. Sie meinen dich!
Victor: So ist Krieg. Kann ich dafür?
Darja: Und deine Freundin, sieht sie
Einer Ermordeten ähnlich?
Victor bedroht sie mit der Pistole.
Victor: So bist du ruhig, mich
Soll man nicht reizen. In meinen
Nerven heftige Ströme, sie
Kochen mein Blut.
Victor drückt sie langsam zu Boden.
Victor: Nun verschmelzen, gleich verstehst du,
Zu einer Einheit, Täter und Opfer, wie
Verbunden in Liebe, Mann und Frau.
Darja, vor ihm kniend. Er entkleidet sich. Als Victor die Pistole aus ihrem Gesicht nimmt, spricht Darja sofort.
Darja: Du suchst Nähe, eine Frau
Kann dich lieben, quälst du, bist du allein.
Was du bist, weiß es, wolltest du nicht.
Victor wendet sich ab, weint.
Darja: Du hattest ein Recht, ohne Schuld
Zu leben. Vielleicht hast du es noch.
Victor sieht sie ruhig an. Er bewegt sich sehr langsam, wie erschöpft. Reaktionen wie ein innerer Kampf.
Victor: Ich bin fünfundzwanzig Jahre.
Schweigen.
Victor: Und eine Zahl: Vierundsiebzig.
Er richtet die Pistole gegen sich.
Darja: hasserfüllt Die dich benutzten, leben
Im Luxus. zögernd Hast vor dir dein Leben.
Schweigen.
Victor: Dein Mann ist entstellt, sein Gesicht
Eine Wunde und Hass seine Stimme, erkennst ihn
Nicht wieder. Dich sucht er jammernd, schreit
Wie ein Säugling, Darja! Dich bring` ich nicht.
Eine Puppe brauchen sie, daher mein Auftrag,
Eine Marionette für den Erhalt ihrer Macht.
Darja: traurig So kehren Männer aus dem Krieg zurück.
Victor: Will in die Nacht. Grausam die Sonne, Spiegel
Hass` ich, das, mein Gesicht. Das, auf der Geraden
Fahren, wo Lichter verlöschen, immerzu fahren, das
Muss sterben, das, mein Gesicht.
Victor versucht, sich zu erschießen.
Victor: Dieses Mal kann ich es nicht.
Victor lässt die Pistole sinken.
Darja: Dieses Kind schaut mich an.
Sein Blick saugt meine Liebe
In sich hinein. Ich bin wie du.
Victor: Hast du vom KriegErfahren wie ich?
Darja: Zwei Männer hab´ ich verloren.
Einer wurde zum Säugling
Beim Morden, der andere ist
Zu weit weg ohne
Die gleiche Erfahrung.
Schweigen.
Darja: Ich habe mich eingesponnen
In eine Moral, die von weit weg ist, ein trübes,
Kaltes und weitsichtiges Auge, mit dicken
Linsengläsern. Aber weil ich alles gesehen habe,
Dabei war, auch ich habe getötet, kann ich
Dem fremden Blick allein nicht glauben.
Die Moral von außen trügt genauso wie
Beengte Sicht von innen. Wir sind fast blind.
Victor: Du hast also wirklich getötet?
Darja: Du bist der erste, der es erfährt. Nah
Sind wir uns, nah, seltsamer Fremder.
Schweigen.
Darja: leise Am Berg steil durch den dichten Wald hoch,
Gehe ich den gewohnten Weg als Kurier. Die Hitze
Kriecht zwischen die Wurzeln. Ich leise, passe auf,
Nicht Steine loszutreten, ein Schatten. Vielleicht
Hatte er meinen Schweiß gerochen. Weiter oben bricht
Ein Zweig. In Deckung lausche ich, warte, da ist er
Hinter mir. Wir blicken uns, zwei Meter Abstand
In fremde Gesichter. Seine Hand mit der Waffe zittert
Nicht aus Angst. Sein Gesicht verzerrt nicht Kampfeslust.
So steht er vor mir. Kommt näher, wird größer, Bartstoppeln
Wie Bäume, dann weiten über mir sich seine Augen, groß,
Wie beim Orgasmus. Ich unter ihm, erstarre. Er zittert,
Aber rührt sich nicht. Liege, bis ich fühle, was auf
Meinen Bauch rinnt, sein Blut ist.
Schweigen.
Darja: So kommt er wieder, häufig nachts.
Und immer wieder so. Bis heute.
Weiß nicht, wie ich ihn tötete, und nicht,
Wie ich ihn sterben lassen kann.
Victor: Mit niemandem kann ich
Sprechen wie mit dir.
Darja: Wir sind uns nah
Nur durch das Töten, bitte geh!
Victor: Erschreckst mich. Kann ich nichts?
Krieg heißt doch Nehmen.
Victor will sie küssen.
Darja: Nicht, bitte geh!
Victor: Willst du nicht kosten?
Darja: Nimmst, was du wünschst, gleich für gültig, du
Kind. Spielst den Mann und schon Soldat.
Victor: Im Schlachthof lieben wir uns.
Getötet vor unseren Augen uns selbst. Hab Mut!
Darja: Ich halte mich fest, du zerrst uns zurück, ein
Stillstand der Waffen beendet den Krieg nicht, nur
Neue Kriege ersetzen die letzten.
Victor: Heute Helden, morgen Mörder. Erledigt,
Sehe das Ende. Lasse dich ängstlich verstörte Frau
In Verwirrung. Flieh weiter! Ich traf dich nicht
Bei der deutschen Adresse.
Darja: Eine andere Frau soll dir dafür verzeihen.
Victor: Schenk mir nur eine Fotografie.
Und wenn man mich findet, lebend oder getötet,
Erfahren sie, dass ich nicht jeden Befehl
Blindlings befolgte. Einmal rettete Liebe.
Darja: lacht Eine Fotografie gab ich, fand ich
Wieder bei dem Geliebten. Verschmortes Plastik,
Damit ihr die Lieben zu Haus nicht vergesst, mein
Erinnerungsgesicht, das verklumpte, neben seinem,
Was noch blieb von der Hitze. Nicht erkennbar,
Eisen vom Gürtel, Münzen. Und mein Gesicht, das
Brannte vor Schmerzen. Der im Feuer zerschmolzene
Klumpen war ich. Er ist tot, sagte ich laut,
Mit einer mir fernen, eigenen Stimme. Dort
Liegt mein Mann, doch ich meinte mich.
Schweigen.
Darja: Victor, geh in irgendein Land! Arbeite,
was nützt! Eines Tages erinnere alles und halte
Gericht. Mit dir selbst. Geh weit! Eines Tages
Verzeiht dir ein Kind. Und Victor, nicht beten.
Halte es aus!Victor umarmt Darja.